Altes Feuerwehrhaus Gerichte aus der Türkei und Italien überzeugen beim ersten internationalen Suppenfestival.
Ein Artikel über das Suppenfestival des Verein ARCES e. V. , der von den Stuttgarter Nachrichten am 04. November veröffentlicht wurde.
Von Sybille Neth Foto: VMA
Die Stuttgarter essen am liebsten Gemüsesuppe. Zumindest gilt das für die große Mehrheit der Besucher des ersten internationalen Suppenfestivals im Alten Feuerwehrhaus. Die aufwendige italienische Variante der Gemüsesuppe mit Hühnerfleisch und Artischocken hat den Publikumspreis gewonnen. Der Favorit der fünfköpfigen Jury war eine scharfe türkische Suppe aus roten Linsen.
Die Idee zum Suppenfestival hatte Domenico De Palma vom italienischen Sport- und Kulturverein Arces in Möhringen. "In Norddeutschland hat das eine große Tradition", weiß er und hat die Idee übernommen, weil Suppe preiswert und gesund ist - vor allem aber in der kalten Jahreszeit von innen wärmt. Außerdem gibt es bei Arces seit 20 Jahren Kochkurse. Die Sympathien des Kulturvereins liegen also eindeutig beim Essen. Ein weiterer Grund für De Palma, das Experiment Suppenfestival zu wagen.
Zehn ausländische Vereine und Gruppierungen haben sich auf Einladung von Arces beteiligt und sind mit dampfenden Töpfen um die Mittagszeit angerückt. So wie Araiza Hohmuth vom Cirulo Cultural Brasileir mit ihrer Miesmuschelsuppe mit frischem Koriander und Palmöl. 18 Liter hat sie gekocht. Den ganzen Sonntagvormittag ist sie dafür in der Küche gestanden, denn sechs Kilo Kartoffeln mussten geschält und geschnippelt werden, Miesmuscheln gesäubert und gekocht werden. Zum Schluss hat sie alle Zutaten zu einer sämigen Suppe püriert. In ihrer Heimat wird diese häufig gegessen, mit einem Spritzer Zitrone. "Wir wollten hier etwas ganz anderes vorstellen", betont sie, bemerkt aber, dass sich beim Geschmack von frischen Korianderblättern ihrer Beobachtung nach die Geister wohl scheiden. Erst seien auch die angesprochenen Vereine etwas skeptisch gewesen, berichtet De Palma. "Aber wir haben dann doch zehn gefunden, die mitmachen wollten."
Beim Forum der Kulturen stellte der Arces-Vorsitzende einen Antrag zur Teilnahme an einem Förderwettbewerb, für den sich 30 Projekte beworben haben. Arces war unter den Siegern, da das Festival nicht nur als kulinarischer Gag gedacht ist, sondern auch als Beitrag zur Integration. Das betont Sara Alterio vom Forum der Kulturen. Mit Mitteln aus dem Bundesamt für Migration unterstützt es das Suppenfestival sowie weitere Vereinsprojekte, die beweisen, dass sich Mitbürger mit Migrationshintergrund durchaus ehrenamtlich engagieren.
Im Alten Feuerwehrhaus stand jedoch der sportliche Wettbewerb der Köche im Vordergrund. Mit dem Kauf einer Verzehrkarte erhielten die Besucher einen Stimmzettel, auf dem sie ihren Sieger notierten. Die Jury unter dem Vorsitz von Uwe Böthführ vom Jugendamt ging dagegen professionell vor. Jeder Verein trat einzeln mit seinem Suppentopf vor die Preisrichter und musste seine Kreation präsentieren. In die Beurteilung flossen auch der Arbeitsaufwand für die Zubereitung, das Aussehen und der Geschmack ein. Am Schluss zeigte sich, dass die Teilnehmer zum Teil nur wenige Punkte auseinander lagen.
Amarjargal Naran hat am Ende mit ihrer mongolischen Rindfleischsuppe den zweiten Platz belegt. Dazu gab es ein spezielles Fladenbrot, das in ihrer Heimat zu der flüssigen Mahlzeit dazu gehöre. "Bei uns isst man viel Suppe", berichtet sie. Vegetarier haben dabei allerdings schlechte Karten: "Wir essen sie immer mit Fleisch."